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Andhra Pradesh / Indien

Hospital Aid Programme

Mit dem Hospital Aid Programme der St. Anna-Schwestern im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh können sich junge Frauen im medizinischen Bereich zur Spitalhilfskraft ausbilden lassen. Das nützt sämtlichen Beteiligten.

Spitalkräfte sind für alle ein Gewinn

Mit dem Hospital Aid Programme der St. Anna-Schwestern im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh können sich junge Frauen im medizinischen Bereich zur Spitalhilfskraft ausbilden lassen. Das nützt sämtlichen Beteiligten.

Indien wird wegen seines guten und bezahlbaren Gesundheitssystems zunehmend zum wichtigen Zielland des internationalen Gesundheitstourismus. Die Nachfrage kann allerdings nicht befriedigt werden, weil es zu wenig medizinisches Personal gibt. Gemäss eines vom Verband der indischen Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit Ernst & Young veröffentlichten Berichts aus dem Jahr 2016 kommen in Indien auf tausend Personen nur 0,7 Ärzte und 1,7 Pflegefachpersonen. In der Schweiz sind mehr als vier Ärzte für je tausend Menschen da. Der Durchschnitt in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt bei 3,3.

Die medizinische Ausbildung in Indien ist stark privatisiert und die Zahl der Ausbildungsplätze beschränkt. Ausserdem erfolgt die Auswahl der Kandidaten an den privaten Ausbildungseinrichtungen nicht nur nach rein akademischen Kriterien. Auch die finanzielle Leistungsfähigkeit ist ausschlaggebend, da die Kosten einer medizinischen Ausbildung dort deutlich über den Gebühren für die staatlichen Medizinfachschulen liegen. Deswegen ist es jungen Menschen aus armen Familien fast unmöglich, eine Ausbildung im medizinischen Bereich zu durchlaufen, die nicht nur ihr eigenes Lebensniveau verbessern, sondern auch die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes befriedigen würde.

Lehrgang der St. Anna-Schwestern

Vijayawada ist eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern in der Hauptstadtregion von Andhra Pradesh. Diese Region wird von armen Familien bewohnt. Wegen des Mangels an Lebensmitteln und der Nähe zum Ufer des Krishna sind viele Menschen verschiedenen Krankheiten wie beispielsweise Malaria, Denguefieber und Durchfall ausgesetzt. Kinder und junge Erwachsene haben keinen Zugang zu Bildung und viele können wegen der begrenzten Erwerbsmöglichkeiten kaum überleben.

In der Provinz Vijayawada geben die St. Anna-Schwestern jungen Menschen Hoffnung und bieten die Möglichkeit einer Ausbildung im medizinischen Bereich. Das Spitalhilfskräfte-Programm (Hospital Aid Programme) war 1988 von den Verantwortlichen des dortigen St. Anna-Spitals initiiert worden, um gegen den Mangel an qualifiziertem Personal im Gesundheitswesen vorzugehen und zur Linderung der Armut beizutragen.

Das 1945 eingeweihte Spital verfügt über 350 Betten. Insgesamt arbeiten 30 St. Anna-Schwestern im Spital. Zusätzlich umfasst die Belegschaft 192 Pflegefachleute, 155 medizinische Hilfskräfte und 24 Ärzte. Im Jahr 2017 wurden 215'000 ambulante und 20'000 stationäre Patienten und Patientinnen behandelt

Anerkanntes Zertifikat

Die Schülerinnen des Programms kommen aus armen Familien, sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, haben zehn Jahre die Schule besucht (Mindestanforderung in Indien), sind gesund und für den Einsatz in der Pflege geeignet. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und erfolgt im Spital. Die jungen Frauen werden zu Spitalhilfskräften ausgebildet, die Ärzten und Pflegefachleuten bei der Pflege von Patientinnen und Patienten behilflich sind. Nach dem erfolgreichen Abschluss der intensiven und gründlichen Praxisausbildung erhalten die Spitalhilfskräfte ein Zertifikat, das von Pflegeheimen, Kliniken und Spitälern anerkannt wird. Einige Spitalhilfskräfte bleiben der Einrichtung treu, während andere Jobs anderswo finden.

Jedes Jahr beginnen ungefähr 20 junge Frauen mit der Ausbildung zur Spitalhilfskraft. Da sie aus armen wirtschaftlichen Verhältnissen stammen, erhalten sie ein monatliches Stipendium für bestimmte Auslagen, beispielsweise für den Weg zur Ausbildungsstätte.

Zum Beispiel Keerthi

Keerthi ist eine der jungen Frauen, denen das Programm geholfen hat. Sie ist das älteste von fünf Kindern. Ihr Vater ist wegen einer Behinderung arbeitsunfähig, ihre Mutter verdingt sich als Tagelöhnerin. Sie nimmt jede Art von Arbeit an, nur um etwas Geld zu verdienen. Weil sie keine Ausbildung hat, findet sie nur schlecht bezahlte Jobs. Das Geld ist deshalb immer knapp.

Keerthi hat die Ausbildung zur Spitalhilfskraft 2016 abgeschlossen und arbeitet seither bei den St. Anna-Schwestern im St. Anna-Spital. Mit dem Lohn, den sie verdient, kann sie zur Ausbildung ihrer vier Geschwister beitragen. Von der Ausbildung hat nicht nur Keerthi profitiert, sondern auch das St. Anna-Spital. Mit Keethi hat das Spital nun eine sehr gut ausgebildete und zuverlässige Fachkraft.